Gelb

Gelb ist das Schlafzimmer

Und blau das Badezimmer

Von denen

 

Du immerfort und aufgeregt hin und her

rennst

 

Wir haben uns nicht verstanden und

Verstehen uns immer noch nicht

 

Du packst deine Sachen

 

Ich schaue dir dabei zu und wundere mich

Wundere mich darüber

Wie wir uns jemals verstehen konnten

Behaupten konnten, wir hätten es getan

 

All die Liebesschwüre

Verdächtig genug

Was bleibt?

 

Der Riss im Sofa

Auf dem du zwei Jahre lang saßt

 

Verkehrt

Die Welt ist schön
Die Welt ist rot
Morgen sind wir tot
Unglaublich viele
Dinge, Gefühle

Wühle

Manche malen Bilder
Andersrum
Manche beraten Konzerne
Verkehrt

Wert

Doch schlussendlich
Fragen wir uns
Wozu

Wozu

Sommer

Stadtmöbliert keilt sich die Grünfläche

Richtung Mitte

In den Stein

 

Ich

Auf der viel zu harten Bank

Sitze und lausche

 

Dem Hupen der Autos

Dem Geplärre der Jungs hinter mir

Auf dem Basketballplatz

 

Dem Geschrei der Bauarbeiter

Und dem Lärm ihrer Maschinen

 

Vor mir, aus dem Nichts

Kommt ein Held herangeschossen

Sieben Jahre alt

 

Mit stolzem Blick prüft er die Bremsspur seines Rades

Und lacht

 

Am Ast eines Baumes hängen Kinder

Und schwingen hin und her

 

Irgendjemand klatscht in die Hände

 

Es riecht nach Wiese

Und heissem Asphalt

Und nach dem Mülleimer neben mir

 

Ich bekomme eine Gänsehaut

Und weiß ganz genau warum

 

In meiner Tasche klingelt das Telefon

 

Ich schliesse die Augen und versuche mir vorzustellen

Wie es sich anfühlt

In diesem Moment nicht glücklich zu sein

wir sind

wir sind

der mond und das meer

 

wenn wir uns streiten

beben die berge

ersäuft das land

und brennt die erde

 

wir sind

das leben und das licht

 

in unseren armen

entstehen träume

wächst geborgenheit und vertrauen

und alles

was gut ist

 

wie bäume

 

verwirrt wie der rauch einer kerze

wenn sie erlischt

so weich und leicht wie federn im wind

so unbeschwert

 

sind wir

 

zwei die ohne nicht wollen

und mit nicht können

 

noch

 

zwei

die sich

gefunden haben

 

Ungewiss

Wohin es geht?

Ich weiß es nicht

Doch freue ich mich

 

Ungewiss

 

Hab ich Angst?

Na klar!

Doch ohne Furcht

Geht es nicht ...

 

Geht es doch?

Ich weiß es nicht

 

Ich liebe deinen Blick wie er wandert

Um meinen herum

Und deine Mundwinkel meine auffordern

 

Mitzulächeln

 

Ganz leise und leicht und verspielt

Wie ein Hauch der alles Ob und Wie und Warum

Sanft verwirbelt und mit sich trägt

 

Zum Ja und So und Deshalb

 

Wohin es geht?

Ich weiß es nicht

Doch freue ich mich

 

Es reichen deine Augen

Dein stilles Lächeln

Dein strahlender Blick

Mein hüpfendes Herz

 

Ich liebe deinen Blick wie er wandert

Ich liebe dich

Götterdämmerung

Siehst du den Rauch dort hinten?

Hinter dem Horizont?

Das war ich

Ich habe ganz allein mein altes Leben verbrannt

Es war nicht leicht

Oh nein

 

Eine riesige Festung mit tausend Wachen

Ich musste meinen Vater erschlagen

Und meine Mutter

Allein, um reinzukommen

Hinter den Mauern ein tiefes Gewühl

Aus Irrwegen und Mauern und tausend Gassen

Die nirgendwo hinführen

 

Ich habe es geschafft

 

Ich habe den Tempel gesucht

Dort auf dem Hügel

Ihn niederzubrennen

 

Die Fackel in meiner Hand

 

Hab all die bewaffneten Wachen

Niedergestreckt

Die Vernunft, die Gewohnheit, die Angst

Den Selbsterhaltungstrieb

 

Es war nicht leicht, oh nein

 

Auf den letzten Metern ist mir das Feuer ausgegangen

Doch das Kind mit dem Kienspan

Es sah aus wie ich

Hat es mir wieder entfacht

 

Schau wie schön er brennt, der Tempel

Schau wie herrlich es lodert

Sieh mich an und werde gewahr

Wie frei ich bin

 

Wie frei und verletzlich

Und unglaublich glücklich

 

In dieser Götterdämmerung

 

Weil es nicht geht

Du sagst du bist verliebt in mich und kannst mich doch nicht haben

Nicht weil du oder ich nicht wollten. Nein

Da ist die große Angst, dass du mich

So du mich denn hättest

Verlieren könntest

 

Du sagst du denkst an mich und willst mich um dich haben

Jeden Tag

Dann sagst du auch: es geht nicht und es darf nicht sein

 

Weil da ist diese große Angst, dass wenn du mich wieder loswerden wolltest

Warum auch immer

Es dann nicht sagen kannst

Und schweigend irgendetwas tust

Damit ich von selber gehe

 

Du hast eine Ahnung, wie sehr mich das verletzte

Und weisst mit Sicherheit, welch unerträgliche Schmerzen

Dir das selbst bereiten würde

 

Du hast es tausendmal getan

 

Du siehst mich an

Und weil ich deinen Blick erwider guckst du ganz schnell wieder weg

Nestelst mit den Fingern in deinem Haar

Schaust kurz aus dem Fenster

Und dann zurück zu mir

Deine Augen zittern

Und du fragst:

 

Was?!

 

Ich nehme dich in den Arm

Und sage zu dir:

Dann lassen wir es eben bleiben

 

Ich streiche dir die Träne aus dem Gesicht

Und gehe langsam, rückwärts

Aus dieser deiner Sackgasse

 

Zurück zu mir

 

 

Ode an die Gegenwart

Wer bin ich

Wenn nicht ein wirres Geflecht aus Erinnerungen und Empfindungen

Aus Lachen und Tränen, aus Umarmung und Schrein

Wer bin ich eigentlich ...

 

Was heisst es zu sein?

 

Ist das Gegenwärtige nicht dieses tierische Gefühl

Dass gerade jetzt, wo es zu warm ist, Schweiss aus meinen Poren perlt?

Dass ich es spüren kann und riechen?

 

Dass, obwohl es völlig ruhig zu sein scheint, irgendwo etwas brummt?

Ein Staubsauger im dritten Stock?

Die Anlage drei Meter hinter mir?

Das immerwährende Rauschen im Ohr?

 

Oder sogar der Wind in einem Baum?

 

Wo kommt das her, dass ich

 

Noch bevor ich die Hand austrecke weiß

Wie die Borke sich anfühlt?

Dass das Meer riecht wie es riecht und klingt wie es klingt

Und ich weiß, dass es mein Freund ist?

 

Der Mond da ist und sein Licht blass auf meine Haut scheint

Und ich weiß, dass auch er mein Freund ist?

 

Woher die Gewissheit, dass im Hier und Jetzt

Die Sonne mich niemals fressen wird

Sondern aufgeht jeden Tag

Nur für mich

 

Und mein Freund ist?

 

Woher die Gewissheit

Dass der Geruch von nassem Laub

Einen neuen Anfang verspricht

Und sogar der Verfall gut ist und nötig und gütig

 

Woher diese Einsicht?

 

Wo kommt das alles her …

 

Ist das Rückwärtige nicht dieses glitschige Ding

Dass sich ständig wandelt

Grad wie man es sieht?

Wer ist man gewesen? Was hat man getan?

 

War es wirklich die Tante die dich damals fallen ließ?

Warst du das selbst der, als keiner hinsah

Im Supermarkt damals

Die Doppelkekse mitgehen ließ?

 

Hat dein Vater jemals deine Mutter geschlagen

Weil sie ihn belogen hat?

Hast du wirklich geweint damals? Hat es dich interessiert?

Oder hast du nicht doch viel lieber

Mit Playmobil gespielt?

 

Hast du wirklich mit Dinosauriern gekämpft, damals im Wald, hinter dem Haus

Mit Flitzebogen und Pfadfindermesser und mit dem Coltsieverscolt.

 

Warst du wirklich bestürzt, weil du Mitleid hattest mit deiner Schwester

Als sie ein saublödes Weihnachtsgeschenk bekommen hat?

Hast du ihr damals wirklich dein eigenes gegeben?

Und war sie wirklich so stolz auf ihren kleinen Bruder

 

So wie du es erinnerst?

 

Hat damals deine Mutter deinen Vater verlassen

Weil er sie betrogen hat?

Und ist sie wirklich nur zurückgekommen weil ihr

Wie sie sagt, nicht zu bändigen wart?

 

Oder hat sie ihn trotz allem geliebt?

So wie er sie?

Und ihr euch alle?

 

Hast du über den Tod der Katze damals

Tatsächlich eine ganze Woche lang geweint?

 

Wo kommt das alles her?

Wie kommt es von dort zu dir?

Was macht es wenn es da ist?

 

Zum Teufel mit der Zukunft!

 

Wenn das was ist, so klar ist

Und was sein wird, so vage

 

Wenn ich mir so wenig sicher sein kann

Wie das, was gerade passiert, sich anfühlt

Wenn Jetzt zu Übermorgen wird

 

Dann zum Teufel mit der Sorge

 

Gut möglich, dass das

Was ich gerade tue

Das richtige ist

 

Oder auch nicht

 

Es wird auf jeden Fall

Irgendwo hergekommen sein!

 

 

 

Liebe

Es ist nicht leicht mit dir

Im Gegenteil. Es ist schwer

So unglaublich schwer

Es hat Gewicht

 

Es zieht nicht runter

Es hält uns fest

Ohne diese Schwere ...

Leichtigkeit ginge nicht

 

Wer kann mich schon verletzen, wenn nicht du

Was kann ich schon ernst nehmen

Wenn nicht dein Nicken, deinen Blick

 

Dein Schwammdrüberlachen

Dein Beineübereinanderschlagen

Dein Türenoffenstehenlassen

Dein Nichtanstelefongehen

Dein Keinesorgenmachen

 

Es ist ein Wunder, dass zwei Menschen

Umeinander kreisen wie wir es tun

Wie die Katze, die kann

Aber nicht muss

 

Es ist so ernst, dass es gut tut

 

Glück

Über ein Stoppelfeld galoppieren im Sommer

Das Segelboot steuern während es dunkel wird

Ganz alleine. Und dann

Wenn man sich umdreht

Das Wasser glitzert

 

Die Arme hochrecken, tief einatmen und die Augen schliessen

Während ein süßer Gedanke schmilzt und versickert

In den Furchen der Gehirnwindungen

Die dafür zuständig sind

 

Den Kopf in den Wind stecken

Und aus purer Freude

Gänsehaut kriegen

 

So ein Glück

 

Dabei sein, wenn jemand, den man mag

Gelobt wird

Für etwas

Das man toll findet

 

Dabei sein, wenn etwas Schönes zuende geht

Das ohne einen

Ganz allein

Zuende gegangen wär

 

Anlauf nehmen

Und ohne Gummistiefel

In die Pfütze hüpfen

Und lachen

 

So ein Glück

 

Kitzeln und gekitzelt werden

Eine Zeichnung machen

Schwingende Saiten

Und Singen

 

Die Arme austrecken, in dem Wissen

Dass die ganze Welt, die man so innig liebt

Zehntausendmal platz findet

In einem einzigen Herz

 

Irgendetwas streicheln

Und froh sein

Dass es das gibt

 

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Pirate with a crippled umlaut and a missing e